Interview mit der zeitgenössischen Künstlerin Eva Zucker
eva zucker artist

Einleitung
Seit ihrem ersten Interview im Jahr 2024 hat sich bei der freischaffenden Künstlerin Eva Zucker (geb. 08.04.1985) viel bewegt. Aus ersten figurativ-abstrakten Arbeiten entwickelte sich eine klare künstlerische Handschrift, geprägt von emotionaler Tiefe, psychologischem Feingefühl und einer ungewöhnlichen Fähigkeit, persönliche Wahrheiten in universelle Bilder zu transformieren.
Ihre Werke fanden inzwischen Sammler in Deutschland, Österreich und der Schweiz, und besonders ihre Adapted-Art-Serie sowie neue Arbeiten wie Sightless Vision haben ihre Sichtbarkeit weiter gesteigert.
Gleichzeitig arbeitet Eva an ihrer aktuellen Serie „Menschsein in Schichten“ (Stand: 5. Dezember 2025), in der sie subtilere, lasurorientierte Techniken mit ihrer charakteristischen Symbolik verbindet.
Im folgenden Gespräch spricht sie über künstlerische Entwicklung, innere Beweggründe, das Spiegeln zwischen Betrachter und Werk – und darüber, was Kunst für sie im Kern bedeutet.


Interview
- Eva, du wirst oft als Künstlerin beschrieben, die Emotion und Analyse außergewöhnlich verbindet. Wie würdest du selbst deine künstlerische Entwicklung beschreiben?
Ich habe abstrakt begonnen, später figurativ-abstrakt weitergearbeitet und irgendwann gemerkt, dass ich Geschichten in Bildern erzählen möchte. So entstand mein Adapted-Art-Stil – eine Mischung aus filmischen oder märchenhaften Elementen, die ich neu zusammensetze.
Viele Menschen sagen, dass sie so eine Mischung vorher noch nie gesehen haben. Und genau das liebe ich: dass meine Bilder mehrere Ebenen gleichzeitig öffnen.
Mit der Zeit kam der Wunsch nach mehr Subtilität. Ich arbeite zunehmend mit Lasuren und altmeisterlichen Techniken, während ich gleichzeitig an meiner neuen Serie Menschsein in Schichten arbeite. Es ist eine Art Verdichtung – weniger plakativ, aber noch intensiver im Gefühl.
Trotz dieser Entwicklung bleibt eines gleich:
Ich folge immer einem inneren Drang.
Wenn dieser Drang mich zu einer lauten, erzählerischen Adapted-Art führt, dann folge ich ihm. Wenn er mich zu leisen, fast transparenten Schichten führt, dann folge ich ihm genauso.
- Deine Adapted-Art-Serie ist sehr bekannt geworden. Was macht sie für dich besonders?
Adapted Art erlaubt mir, das Bekannte neu zusammenzusetzen – ein Märchenfragment hier, ein Filmmoment dort, aber immer transformiert. Ich erschaffe daraus eine neue Geschichte, die zugleich vertraut und völlig neu ist.
Viele Sammler sagen mir, dass sie ihre eigene Geschichte in diesen Bildern finden.
Und das ist der größte Moment: Wenn ein Werk sich vom Künstler löst und zu etwas Eigenem wird.
- Lass uns über Sightless Vision sprechen. Dein Publikum reagiert stark darauf. Was macht das Bild für dich so wichtig?
Sightless Vision ist eines meiner persönlichsten Werke.
Das Bild zeigt einen Mann aus der Ego-Perspektive – als würde der Betrachter selbst dort sitzen.
Man sieht seinen Oberkörper, die Arme, die Hände, die Farbdose in der einen und den Pinsel in der anderen Hand.
Ein weißer Strich zieht sich über sein Bein.
Er bemalt sich nicht bunt, sondern weiß – eine Farbe, die ich hier als etwas Heiliges benutze.
Die Dose hält er fest, fast verkrampft. Der Pinsel hingegen ruht locker in den Fingern. Diese Spannung ist entscheidend:
Er ist zerrissen zwischen Befreiung und Flucht.
Das Weiß kann bedeuten:
Sich selbst verzeihen,
sich neu sehen,
sich entlasten,
oder einen schmerzhaften Teil überdecken.
Er sitzt vor einem Spiegel und weiß genau:
Wenn ich mich wirklich anschaue, kann ich heilen. Aber es tut weh, mir selbst ehrlich zu begegnen.
Er könnte einfach alles überstreichen und so tun, als wäre nichts passiert.
Oder er könnte den schwierigeren Weg gehen: hinsehen, verstehen, verzeihen.
Diese Zwischenwelt fasziniert mich. Dieses Zögern. Dieses fast heilige Ringen mit sich selbst.
- Wie gehst du damit um, wenn Menschen in deinen Bildern etwas sehen, das du selbst nicht beabsichtigt hast?
Das ist einer meiner Lieblingsmomente in der Kunst.
Ein Bild ist für mich erst dann „fertig“, wenn jemand anderes darin etwas Eigenes findet.
Manchmal sehen Menschen Dinge, die mich selbst überraschen – und dann wird das Werk reicher, es bekommt Ebenen, die ich allein nie hätte erschaffen können.
Ich male bewusst offen. Selbst wenn ein Motiv auf den ersten Blick klar wirkt, halte ich Raum für Deutung. Und wenn ein Betrachter seine Wahrheit findet, wird die Kunst zu einem gemeinsamen Ort zwischen uns beiden.
Für mich ist das der schönste Teil des ganzen Prozesses.
- Viele deiner Werke scheinen psychologisch tief. Woher kommt diese Schärfe in der Beobachtung?
Ich beobachte Menschen sehr intensiv – ihr Denken, ihre Zwischentöne, die Dinge, die sie nicht aussprechen.
Ich habe ein hohes Maß an emotionaler Intelligenz, und gleichzeitig denke ich sehr analytisch. Diese Kombination bringt Tiefe in meine Arbeit, ohne dass ich es forcieren müsste.
Das Malen ist für mich ein Gespräch mit dem Inneren.
Mit Sehnsucht, Scham, Mut, dem Drang zu wachsen und dem Wunsch, sich selbst zu verstehen.
Ich male nicht, um etwas zu sagen.
Ich male, weil mich etwas ruft. Und erst später verstehe ich, was es bedeutet.
- Woran arbeitest du aktuell?
An meiner Serie „Menschsein in Schichten“ (Stand 5. Dezember 2025).
Sie verbindet Lasurtechnik, symbolische Elemente und psychologische Tiefe. Es geht darum, Innenwelten sichtbar zu machen – nicht plakativ, sondern sanft, ehrlich, subtil.
Es ist meine bisher reifste Phase, glaube ich.
- Ein Blick in die Zukunft: Was wünschst du dir künstlerisch?
Ich wünsche mir, dass meine Werke weiterhin Menschen erreichen – nicht nur optisch, sondern innerlich.
Ich möchte mich technisch weiterentwickeln, noch mutiger werden, und gleichzeitig demütig bleiben.
Ich lerne jeden Tag. Und ich hoffe, dass meine Kunst Menschen dabei hilft, sich selbst ein Stück besser zu verstehen.
- Zum Abschluss: Was bedeutet Kunst für dich persönlich?
Kunst ist für mich kein Produkt.
Sie ist ein Spiegel, ein Dialog, eine Bewegung zwischen Menschen.
Kunst zeigt uns Dinge, die wir im Alltag übersehen – uns selbst, unsere Verletzlichkeit, unsere Stärke.
Wenn jemand vor einem meiner Bilder steht und für einen Moment innehält, spürt, denkt, erinnert, fühlt …
Dann hat die Kunst ihren Sinn erfüllt.
Dann entsteht etwas, das größer ist als ich.
Und genau dafür male ich.
Sightless Vision

Nackt im Sein

Auszüge aus Adapted-Art

Auszüge aus Adapted-Art

Auszüge aus Adapted-Art

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